Quo vadis SPD!? Tage der Entscheidung in Berlin

Ein Exklusiv-Kommentar auf RG-BOX-Live

Hoffen auf bessere Zeiten. Die gebeutelte SPD!

BERLIN – Für die deutsche Sozialdemokratie dürfte die aktuelle Entscheidung der Mitglieder-Wahl eines Vorsitzenden-Duos ein historischer Fingerzeig sein. Die weitere Entwicklung der SPD wird allerdings nicht an diesem Samstag, den 26. Oktober 2019 (oder am 30. November bei einer eventuellen Stichwahl) entschieden, sondern von den Wählerinnen und Wählern an den Urnen in kommenden Bundes- und Landtagswahlen. Ist der Mitgliederentscheid zur Doppelspitze ein Zeichen der Moderne der gebeutelten einst starken Volkspartei oder eher doch ein Zeichen der Orientierungslosigkeit fragen sich viele Beobachter. 

Die rund 425.000 SPD-Mitglieder stehen zumindest seit Frühjahr 2019 ziemlich alleine da, denn ihnen wurde die Wahl aus Mangel an Alternativen von der verbliebenen SPD-Führung verordnet. Gelebte Demokratie sagen die einen, mangelnde Führungsstärke sagen die anderen. Schaut man auf die Interims-Vorsitzende nach dem Rücktritt von Andrea Nahles, die gesundheitlich angeschlagene Malu Dreyer, aus dem einstigen Dreier-Führungsgespann, hat sie in schwerem politischen Fahrwasser Schwerstarbeit verrichtet. Thorsten Schäfer-Gümbel, nach drei Wahlniederlagen in Hessen persönlich enttäuscht, hatte sich bereits in diesem Oktober aus der Politik in den Öffentlichen Dienst zur GIZ verabschiedet, die beliebte Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern, kämpft zudem seit diesem Sommer gegen ihre Krebserkrankung.  

Quo vadis SPD!? Prinzip Hoffnung.

RG

Alleine, das Problem der Sozialdemokraten liegt tiefer, denn letztendlich forcierte die Enkelgeneration von Willy Brandt über Jahre in der Mit-Regierung in der großen Koalition (Groko) ihren eigenen Niedergang. Zwar sicherte man sich die Mitsprache und konnte dabei auch bei Gesetzen punkten, trotz allem fühlten sich viele ihre ehemaligen Stammwähler unverstanden, alleine gelassen und damit ohne Stimme. Führen heißt Entscheiden, auch wenn es manchmal weh tut, und gerade einen klaren Kurs vermisste man bei der SPD-Führungsriege oft. Das „Volk“ kam so der SPD in nie erlebter Geschwindigkeit abhanden. Und auch das Potential der Nichtwähler mit seinen bis zu 40 Prozent-Potential wurde nicht beachtet, keine Antworten gefunden und deren schlummernde Macht unterschätzt. Die setzen ihre Hoffnungen auf Lösungen ihrer persönlichen Probleme in Punkto Soziales, Umwelt, Arbeit und Sicherheit für die kommenden nationalen und internationalen Herausforderungen zumindest aktuell nicht in die SPD und auch weniger in die ebenfalls schwächelnden Christdemokraten.  

Rund 30 Prozent Wahlbeteiligung der SPD-Mitglieder melden am heutigen Samstagfrüh die Agenturen für die Mitgliederentscheidung. Vertrauen in die SPD-Führung sieht anders aus, würde sich dies am Ende bestätigen. Am Ende waren es dann 53,28%. Der SPD und Deutschland kann man nur wünschen, dass die neuen handelnden Persönlichkeiten Führungsstärke besitzen, authentisch Visionen für die Zukunft formulieren und glaubwürdig ihre Werte vertreten und damit den Menschen Ziele und Hoffnung geben und damit für eine neue SPD begeistern. Quo vadis SPD!? Prinzip Hoffnung.

Ergebnisse der Mitgliederbefragung zur Wahl des neuen Parteivorsitzes
Nach Abschluss der Auszählung ergeben sich folgende Ergebnisse:

Stimmberechtigte Mitglieder: 425.630


Eingegangene Rücksendungen: 226.775
(Abstimmungsbeteiligung: 53,28 Prozent)
davon konnten wegen der Nichterfüllung der Kriterien für eine ordnungsgemäße Stimmabgabe 11.819 Einsendungen nicht berücksichtigt werden.

Zulässige Stimmen: 214.956

davon ungültig: 1.263

Gültige Stimmen: 213.693
Team Klara Geywitz / Olaf Scholzerhielt: 48.473 Stimmen (22,68 %)
Team Saskia Esken / Norbert Walter-Borjans erhielt: 44.967 Stimmen (21,04 %)
Team Christina Kampmann / Michael Roth erhielt: 34.793 Stimmen
(16,28 %)

Team Nina Scheer / Karl Lauterbach erhielt: 31.271 Stimmen (14,63 %)
Team Petra Köpping / Boris Pistorius erhielt: 31.230 Stimmen (14,61 %)
Team Gesine Schwan / Ralf Stegner erhielt: 20.583 Stimmen (9,63 %)
Enthaltungen: 2.376 
Keines der Teams hat die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhalten. Damit ist eine weitere Abstimmung zwischen den beiden Teams mit den meisten Stimmen, also Team Klara Geywitz / Olaf Scholz und Team Saskia Esken / Norbert Walter-Borjans notwendig. Die Mitgliederbefragung dazu findet zwischen dem 19.11.2019 und dem 29.11.2019 statt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.